Hamburg verfügt mit dem Kinderkulturfest, das seit 2000 "KinderKinder - Das Festival" heißt, über ein Ereignis, das jedes Event in den Schatten stellt. Den Machern des Festivals geht es nicht um kurzfristige Kinderunterhaltung, die liefern Fernsehen und kommerzielle Anbieter als kinderkulturelle Durchlauferhitzer ohnehin. Es geht vielmehr um Treibstoff für Herz und Hirn, wie Geschäftsführer Stephan von Löwis es ausdrückt, damit Kinder ihre Sinne trainieren können und somit Kunst und Kultur für sie auch später lebenswichtige Aufbaunahrung darstellen. Mit dieser Metapher ist nichts anderes gesagt, als dass kulturelle Bildung zu einem Konzept des lebenslangen Lernens dazu gehört und dieses Lernen von Anfang an möglich sein muss. Ästhetische Erfahrung ist der Ausgangspunkt aller Selbst- und Welterfahrung und die sinnliche Praxis des Singens und Hörens, des Spielens und Schauens, des Malens und Betrachtens bietet ein unverzichtbares Anregungspotenzial für die Entwicklung von Kindern.
Das Besondere an KinderKinder ist zweifelsohne diese untrennbare konzeptionelle Verbindung von Kunstrezeption und eigener kreativer Tätigkeit der Kinder. Dass dieses Festival stets hochkarätige Programme mit ausgezeichneten Ensembles und Solisten des Theaters, der Musik und des Tanzes für Kinder anbietet, ist letztlich auch der Garant dafür, dass diese konzeptionellen Gedanken auch tatsächlich zu sinnlicher Praxis werden können. Doch auch die vielfältigen Projekte, bei denen Kinder selbst zu Akteuren werden, sind Bestandteil dieser Praxis.
Damit erfüllt das Festival die Forderung der UN-Konvention über die Rechte der Kinder, nach deren Recht auf Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben, zwar immer nur für zwei Monate im Herbst, aber auch das ließe sich ändern.
Gerd Taube Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der BRD